Sonstiges Wohnen

 

Berberdorf der Evangelischen Gesellschaft - EVA

 

Eine Wohnform auch für psychisch Kranke?

 


Beim Besuch des "Berberdorfes" in Esslingen war ich angenehm überrascht. Am Neckarufer reihen sich einige

Holzhäuser aneinander, in denen jeweils in getrennten Zimmern 2 ehemals Obdachlose wohnen. Kochgelegenheiten

sind in einem getrennten Gemeinschaftshaus untergebracht. Die meisten Bewohner haben einen

Fernseher in ihrem Zimmer. Die Hütten werden mit Warmwasser beheizt, welches aus einer Gastherme stammt.

 


Das Berberdorf gibt es seit 1985; 1995 hat es die Evangelische Gesellschaft übernommen. Laut Auskunft einer der

Sozialarbeiter ist das  Dorf in Esslingen akzeptiert. Diese Wohnsiedlung, in der 26 Bewohner leben, ist einmalig in

Deutschland. Es ist ein niederschwelliges Angebot für Menschen ohne festen Wohnsitz. Alkohol zu trinken ist hier

nicht verboten. Nicht akzeptiert wird allerdings massive Gewalt gegen andere. Wer sich nicht daran hält muss in

eine Pension oder eine andere Aufnahmeeinrichtung umziehen.

 


Alle Angelegenheiten der Beteiligten werden in der regelmäßig stattfinden Dorfversammlung besprochen.

 


Betreut werden die Bewohner von einem ganztägig dort beschäftigten Sozialarbeiter und von einem weiteren

Sozialarbeiter, der 40 Prozent seiner Arbeitskraft dem Berberdorf widmet. Hinzu kommt ein zu 100 Prozent hier

beschäftigten Techniker. Ehrenamtliche Kräfte, die sich einbringen, werden gesucht.

 


Die Menschen, die hier leben, haben häufig Alkohol- oder Drogenprobleme. Es gibt auch Bewohner mit psychischen

Erkrankungen, wobei das eine meist eine Begleiterscheinung des anderen ist. Daneben gibt es aber auch

Haftentlassene oder überschuldete Menschen. Für die Aufnahme in dem Berberdorf müssen aber immer mehrere Kriterien

erfüllt sein. Alkoholprobleme oder psychische Erkrankungen alleine reichen nicht aus.

 


Finanziert wird der Aufenthalt in den meisten Fällen über das Jobcenter oder eine Rente. Die Bruttomiete beträgt

277 € im Monat. Dazu kommt der Pflegesatz, den in den meisten Fällen das Kreissozialamt bezahlt. Die Menschen

bekommen darüber hinaus den Harz IV - Satz beziehungsweise ihre Rente, eventuell aufgestockt durch die

Grundsicherung, voll ausbezahlt und müssen sich selbst versorgen. Ziel ist es, die Menschen wieder in ein normales

Leben zurückzuführen, in eine richtige Wohnung und einer Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt. Das gestaltet sich in der

Regel aber als sehr schwierig.

 


Die Bewohner mit denen ich gesprochen habe, fühlten sich sehr wohl in dem Berberdorf. Einer sagte, er wolle hier

gar nicht mehr ausziehen. Schlecht finde ich daher daß man die Bewohner wieder in ein "normales" Leben "zurück-

therapieren" möchte und sie nicht auf Dauer so sein lassen will wie sie sind!

 


Am Ende meines Besuches fragte ich mich, ob das nicht auch eine alternative Wohnform für psychisch Kranke wäre.

Diejenigen Erkrankten, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, wohnen derzeit in speziellen Wohnheimen.

Schön wäre es wenn die doch recht einfachen Hütten, durch gut ausgestattete Bauwägen und Einzimmerbungalows

(FlyingSpaces, für jeden einen) ersetzt werden könnten wie sie zB. die Fa. Schwörerhaus anbietet. Ein solches Dorf

für psychisch Kranke würde für die Betroffenen ein selbstbestimmteres Leben bedeuten bei deutlich niedrigeren Kosten. 

 

 

-mis-

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